Wuff

Gemeinhin wird behauptet, man könne die Menschen in Katzen- und Hundeliebhaber einteilen. Je nachdem sei man dann eher von Unabhängigkeit und Eigensinnigkeit der Katze oder von Gehorsam und Unterwürfigkeit des Hundes angetan. Diese Begeisterung für tierisches Verhaltensrepertoire wird gerne auch als Spiegel der Persönlichkeit des jeweiligen Tierfans gewertet, will heißen, der Katzenmensch liebe die Freiheit, auch des Anderen, sei unangepasst und wählerisch und im übrigen individualistisch bis zum Abwinken, auch pflege er eine Vorliebe für hedonistische Lebensart und fühle sich zur Schönheit hingezogen.

Der Hundemensch hingegen habe eine bedauernswerte Neigung zur Hierarchie, suche mangels Fülle an eigener natürlicher Autorität fügsame Individuen und genieße deren demütige Hingabe und Speichelleckerei. Auch andere ungenehme Eigenschaften werden Hundemenschen zugeschrieben, sie seien etwa dominierend und selbstherrlich. Im Übrigen wird Hundemenschen ein schlechter Geschmack nachgesagt. Mithin wird auch behauptet, Katzen- und Hundemenschen verstünden sich nicht. Eine kaum zutreffende Behauptung allerdings, kommt man sich doch in dieser Verschiedenheit auf dem Wichtigsten auf Erden, dem Heiratsmarkt, ganz und gar nicht ins Gehege.

Ich selbst beherberge einen Kater, ein stattliches, freundliches und sehr elegantes Tier edler Rasse, mittlerweile ohne Hoden – soviel zur Freiheit, auch des anderen. Hundemenschen sind mir persönlich egal, mein Bekanntenkreis ist hundehalterlos. Gelegentlich stört mich die Vermenschlichung, die einige Herrchen und Frauchen den armen Kreaturen angedeihen lassen. Dies besonders in ästhetischer Hinsicht, wenn der oft überdimensionierte Hunderumpf, in ein abscheuliches Kostümchen gezwängt, bei mir eine therapieresistente Sehnervreizung verursacht. Einem Tier und der Umwelt so etwas zu anzutun, ist für einen Katzenmenschen undenkbar. Kotzanfälle, eigene wie auch die der Umwelt, sind doch vermeidbar.

Vor einiger Zeit hatte ich eine unerquickliche Auseinandersetzung mit einer Hundebesitzerin. Beim Spazierengehen im Park hatte ich mein noch recht junges Kind deutlich hörbar zur Vorsicht vor dem Hunde gemahnt. Es soll sich dem Tier nicht in der ihm eigenen Ausgelassenheit abrupt nähern, es nicht schlägern und nicht anlecken. Diese von mir mit Nachdruck vermittelten, unfassbar grausamen Reglementierungen erregten das Missfallen einer Hundemutti, die mit ihrer Töle unseren Weg kreuzte und mir als erstes ungefragt mitteilte, sie finde mein Verhalten unmöglich. Ich sei enorm hysterisch, würde das Kind schädigen und ihn mit meinem traumatisierenden Getue für sein ganzes erbärmliches Leben zu einem Hundephobiker machen.

Moment mal, merkte ich eigensinnig an, Vorbeugen ist besser, als bei allzu lascher Haltung mit dem Kopf hinterrücks auf den Bordstein fallen. Ich möchte nicht zuschauen müssen, wie ein Hund aus dem Gesicht meines Kindes herauseitert.
Das sei ja absolut übertrieben, entgegnete die Hundemutti, schließlich könne man ja fragen, ob man den Hund mal streicheln dürfe, aber das sei von einer Person wie mir zu viel verlangt. Ich sei das Allerletzte, eine hysterische Ziege, die ihr Kind mit ihrer Überfürsorglichkeit erdrücke und dafür sorge, dass es nie wieder aus freien Stücken einen Hund streicheln würde.

Sprachlos über die Hasstirade, lud ich das mitgeführte Bolzenschussgerät zum finalen Plattschuss durch. Gerade als ich ansetzte, unter die selbstgerechte Gürtellinie der Hundemutti zu ballern, lies das Kind vernehmen, der Hund stinke und sei doof, wie auch die Hundemutti und überhaupt wolle es jetzt nach Hause. Dankbar küsste ich das Kind zwischen seine Augen und lies die Hundemutti stehen, diese sichtlich angefressen darüber, dass das Balg ihr in den Rücken gefallen war. Derweil hatte ihr Tölenbesitz sich in den Dreck gelegt und weigerte sich, wieder aufzustehen.

Ich hörte die Hundemutti noch kreischen, die Hundleine über dem Hundehintern schwingen und geifern, wie unerzogen heutzutage die Kinder seien, wie unfähig die Mütter. Angemerkt: die Dame kann nur unwesentlich älter als ich gewesen sein, natürlich nicht so schön wie ich, vermutlich war dies das eigentliche Problem. An aristokratischer Geschmeidigkeit bin ich nicht zu überbieten, ebenso wenig wie an Eleganz und Liebreiz, Katzenmensch eben.

Wohin das Kind sich entwickeln würde, war lange nicht abzusehen, es malträtierte Katzen wie Hunde gleichermaßen. Beim mütterlichen Morgenkusse lies es heute nun folgendes vernehmen: „Ih Mama, voll bäh, du hast Katzenkacka im Mund“. Soviel zu Liebreiz und geschmackvoller Eleganz, Katzenmensch ist man eben auch schon morgens. Aus vollster Kehle.

Es steht nun zu befürchten, dass das Kind sich aufgrund dieser erneuten Traumatisierung durch morgendlichen mütterlichen Katzenmenschen-Mundkoffer voraussichtlich eher zu Hunden hingezogen fühlen wird. Ich hoffe allerdings, dass es bei der Auswahl der Hundebekleidung von der Grazie seiner Mutter beeinflusst ist.

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Eine Antwort zu Wuff

  1. koelneruwe schreibt:

    Was ist dann mit Hunden, die sich wie Katzen verhalten? Bei meinen steinalten Pekinesen weiss ich selbst nicht mehr, wo ich dran bin:)

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