Lustige Welt der Klingeltöne – oder „Wie´s erschallt, was will´s uns sagen?“

Vol. I
Als Benutzerin dieses Klingeltones können wir uns eine dynamische, mittelgradig zwanghafte Hausfrau mittleren Alters, unter Umständen aus Oberkotzau vorstellen. Sie bewohnt mit dem Ehegemahl ein unauffälliges und gepflegtes Reihenendhaus im Randgebiet der Kleinstadt und hat in der Nachbarschaft einen tadellosen Leumund.

Die zwei ehelichen Lendenfrüchte sind aus dem reinlichen Hause bereits ausgezogen und unsere Hausfrau genießt nun die Ungestörtheit der regelmäßigen Wochenendausflüge ins Allgäu. Hier wandert sie etwas, allerdings mit leidlicher Leidenschaft und eher, weil man auch die Landschaft genießen sollte.
Größte Freude hat unsere Hausfrau mithin an der Ausübung ihres Hobbys.

In der lauschigen und noch schlaftrunkenen Frühe idyllischer Allgäu-Sonnenaufgänge schießt sie gemeinsam mit dem Ehegemahl balgreife Füchse, alte Böcke und räudige Schwarzkittel. Manchmal ist auch ewas dabei, was sich nicht kategorisieren lässt, reden wir nicht weiter darüber.

Das Wildbret wird noch am Abschussort waidgerecht aufgebrochen, in pfannen- und bräterkompatible Einzelstücke zerteilt und flugs ins Oberkotzauer Eigenheim in die
500 – Bruttoregistertonnen – Tiefkühltruhe im Keller verbracht.

Unsere Hausfrau hat ein liebliches, rotwangiges Äußeres, ist jedoch unerhört zackig und erledigt das Wild mit Vorliebe sauber und präzise mit einem einzigen Schuss.
Ganz so, wie sie es im Grunde auch zuhause gerne mit lästigen Nachbarn und deren Haustieren täte, die ihre üble Defäkationsfracht regelmäßig in ihrem Vorgarten abladen.

Zu Weihnachten, wenn die Lendenfrüchte zu Besuch kommen, müssen sowohl aus logistischen wie auch hygienischen Gründen alle Vorräte aufgebraucht werden, sonst gibt es Ärger mit unserer Flinten-Erika, die ebenso leidenschaftlich wie sie putzt, schießt und ausweidet, auch schmort und tranchiert.

Bei der gemeinsamen, nahezu endlosen Völlerei sitzt man friedlich und schaut voller Stolz auf die recht umfangreiche selbst erarbeitete Geweih- und Wildschweinkopfsammlung, die die Wand über dem Kamin ziert.

Das Telefon ist abgeschaltet, Störungen sind absolut unerwünscht.

Im neuen Jahr wird der eine oder andere Kadaver von der Wand genommen, liebevoll abgestaubt, und unsere Hausfrau erinnert sich gerne wehmütig an den Augenblick jedes einzelnen Schusses, mit dem sie die Kreatur zu Boden streckte.

Ihren Jagdtrophäen Namen zu geben, findet sie albern, genauso wie die unsägliche Angewohnheit, aus Mangel an Identifikationsfähigkeit laufend seinen Klingelton zu wechseln.

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7 Antworten zu Lustige Welt der Klingeltöne – oder „Wie´s erschallt, was will´s uns sagen?“

  1. Gertje schreibt:

    Also, ich gebe Dir in allem Recht. Nur, dass Erika das Wild selbst schießt. Nein, das glaube ich nicht! Nein das macht Erika’s Angetrauter höchstselbst und ganz ohne sein Eheweib, welches sich die Warterei auf den zu erwartenden Braten mit Fensterputzen vertreibt.

  2. Menschette schreibt:

    Dinge, die Kontakt mit meinem Ohr haben: 1. Athrumwasser 2. Icordos Oberlippe 3. erbauliche Psalmen. Keine Mobiltelefone, kein Heimatgejodel. Notieren Sie das in Ihrer Akte, Frau Doktor.

  3. Da muss ich Gertje zustimmen, Frau Professor. Dass Ihnen solch ein Formfehler unterläuft, hätte ich nicht gedacht. Da ist wohl die ganze Frauenbewegung-Emanzen-Gedanken-Wunsch-Wichse mit Ihnen durchgegangen… Tz.

    Sagen Sie, Frau Professor, habe ich mein Tavor heute zu hoch dosiert oder hatte dieser Ihr Text nicht das Geringste mit Klingeltönen zu tun? (Ich bräuchte da übrigens wieder ein neues Rezept, Sie wissen schon…)

    Gute Besserung.

  4. michalipka schreibt:

    Worte und Satzbildungen, Plastizität der Sprache interssieren mich viel mehr als Zielsetzung oder Gesamtbild einer Textkonzeption. „Was will der Text uns sagen?“ interessiert mich überhaupt nicht, da bin ich noch überhaupt nicht angekommen. Ich verliere mich noch in einzelnen Details und … bin sprachlos… und…
    …genieße die Wort-Gewalt.

  5. Sie elendiger Schleimer, Mitpatient Lipka! Pah.

    Was ich noch hinzufügen möchte, Frau Professor: Als ich sah, dass oben eine Audiodatei hinterlegt worden ist: Herzstillstand und gebetet, dass _Sie_ den Text sprechen…

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