Eine Waldgeschichte


Zunächst ist es ein leises Brummen am Himmel, das sich ganz harmonisch in die Vielfalt der Geräusche des Waldes einfügt. Die flirrende Hitze des Sommers ist hier erträglich. Gepeinigter Seele Ruhe und Frieden zuteil werden lassend, erweist sich der Wald als Quell urwüchsiger Kraft. Was am Himmel geschieht, kümmert ihn nicht, er ist sich selbst genug, der Wald, worum er zu beneiden ist.

Das Brummen am Himmel wird unregelmäßig – synkopierend, stolpernd, herzhüpfend. Plötzlich reißt es ab, weicht einem bedrohlichen Jammerton, der anschwellend näher kommt.
Ein Getöse durchschneidet die Schweigsamkeit des Waldes, ohrenbetäubend. Es kracht, splittert, durchpflügt das Universum der friedvollen Stille.
Dann wird es Ruhe.

Man eilt, von seinen Ahnungen getrieben, auch von Neugierde – einmal im Leben eigenen Leibes einer Katastrophe teilhaftig werden, aus sicherer Entfernung natürlich.

Der Pilot kann verletzt, aber lebend aus seiner Maschine geborgen werden.
Was für ein Glück, sagen diejenigen, die ihn mit schwerem Gerät herausschneiden und seine geschundene Existenz ins Hospital verbringen, wo man den Piloten flickschustert.

Wenige Monate später stirbt der Pilot an den Folgen des Bisses einer Zecke, die bereits kurz nach seinem Absturz im Wald an ihm klebte, blind und vom Diktat der Natur zur Nahrungsaufnahme getrieben.
Was für ein Pech, sagen diejenigen, die den Piloten gerettet und ihn geflickschustert haben.

Den Wald kümmert auch das nicht. Die Jahreszeiten wechseln und künden vom ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Bald wird es kalt werden, die pilotenblutgefüllte Zecke wird erfrieren. Lange wird es nun ganz still sein im Wald, bis im Frühjahr neues Leben sich regt und den Wald mit seinen sanftmütigen Geräuschen erfüllt.

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Eine Antwort zu Eine Waldgeschichte

  1. michalipka schreibt:

    Wann kommt hier mal was Neues…?
    (Interesse vorheuchelnd) LG

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